Emil Gentner feierte kürzlich seinen 90. Geburtstag. Für den Sängerbund und für den Chor unter Vizedirigent Bernd Heim war es eine Selbstverständlichkeit, in starker Besetzung seinem langjährigen Sänger mit einem Ständchen zu gratulieren. Vorsitzender Karl-Heinz Käpplein bedankte sich für die Treue und Verbundenheit, würdigte das jahrzehntelange Engagement und überreichte ein Geschenk des Vereins.
Nach dem Arbeitsdienst begann Emil Gentner als Schreibgehilfe bei der Reichsbahn. Dort arbeitete sich der junge Mann hoch bis zum Bahn-Betriebsinspektor in der Hauptkasse. Als er 1979 in Pension ging, gab es auch dafür Lob, dass er in mehr als vier Jahrzehnten keinen einzigen Krankheitstag aufzuweisen hatte. Als Soldat machte der Wiesentaler alle historischen Ereignisse von 1938 bis 1945 durch: sowohl den Anschluss Österreichs als auch die Besetzung Tschechiens. Er fuhr den ersten deutschen Panzerspähwagen über die holländische Grenze und stand im Schützengraben um Moskau.
Sport trieb Emil Gentner, seit 62 Jahren verheiratet, Vater einer Tochter und zweifacher Großvater, immer gern und leidenschaftlich. Nach dem Krieg spielte er Fußball und gründete 1948 die Fußballabteilung des TSV 1898. Von 1954 bis 1956 führte er den Großverein. Gut 20 Jahre lang gehörte er zur Faustball-Mannschaft, und dies bis ins hohe Alter von 82 Jahren. 1932 trat er 16-jährig dem Sängerbund bei und verstärkte den Chor immerhin 70 Jahre lang. Diese äußerst seltene "Rekordzeit" würdigte die Stadt Waghäusel 2002 mit der Verleihung der Goldenen Verdienstmedaille. Emil Gentner ist das einzige noch lebende Mitglied, das, beginnend mit Gustav Gassenmann, unter neun Dirigenten mitgesungen hat.